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Sinkende Geburtenzahlen – unsere Kitas stehen vor Veränderungen

397 Kinder wurden 2025 im Altenburger Land geboren. 2017 waren es noch 661. Zumindest können wir uns im Vergleich zu 2024 über ein Plus von 8 Geburten freuen.


Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt des letzten Jugendhilfeausschusses, der den neuen Kita-Bedarfsplan für 2026/2027 beschlossen hat. Der Plan beschreibt, wie viele Betreuungsplätze im Landkreis benötigt werden, wo Kapazitäten vorhanden sind und welche Herausforderungen in den kommenden Jahren auf Kommunen, Träger und Familien zukommen.


Im Altenburger Land ist die Zahl der Geburten 2025 zwar leicht gestiegen. Trotzdem bleibt das Niveau niedrig. Gleichzeitig stehen aktuell rund 3.500 Kita-Plätze für etwa 2.800 Kinder mit Rechtsanspruch zur Verfügung. Die durchschnittliche Auslastung der Einrichtungen liegt inzwischen nur noch bei etwa 71 Prozent. 700 Plätze sind aktuell nicht belegt.


Der Landkreis rechnet bis 2029 mit einem weiteren Rückgang der betreuungsbedürftigen Kinder um etwa 15 Prozent. Das bedeutet rund 450 Kinder weniger. Deshalb wird längst nicht mehr nur über Betreuung gesprochen, sondern auch über Auslastung, Kapazitäten und sogenannte „Synergieeffekte“.


Hinter diesen Begriffen stehen konkrete Fragen, die viele Orte künftig vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung beschäftigen könnten: Müssen Träger stärker kooperieren? Müssen Konzepte neu gedacht werden? Und wird es langfristig möglicherweise auch Diskussionen über Standorte oder Schließungen geben?


Noch gibt es dazu keine konkreten Entscheidungen. Aber der vorliegende Bedarfsplan macht deutlich: Die Debatte über die Zukunft der Kitalandschaft im Altenburger Land hat begonnen.


Unsere Kitas werden sich verändern müssen. Nicht sofort, aber perspektivisch: durch Kooperationen, neue Konzepte, Diskussionen über Standorte, stärkeren Anpassungsdruck und die Frage, wie Qualität trotz sinkender Kinderzahlen erhalten werden kann.


Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um Lebensrealitäten. Denn viele Familien beschäftigt vor allem eine andere Frage: Wie lässt sich Familie überhaupt noch mit Arbeit vereinbaren? Die meisten Kitas im Landkreis öffnen derzeit zwischen 6 / 06:30 und 16:30 / 17 Uhr. Für viele Eltern passt das. Für andere jedoch nicht.


Besonders betroffen sind häufig Menschen, die im Schichtdienst arbeiten: in der Pflege, im Einzelhandel, in der Produktion oder in anderen Berufen mit frühen, späten oder wechselnden Arbeitszeiten. Hinzu kommen Alleinerziehende oder Familien, in denen ein Elternteil pendelt, auf Montage arbeitet oder selbst im Schichtsystem beschäftigt ist.


Wenn Dienstzeiten und Betreuungszeiten nicht zusammenpassen, hat das oft direkte Folgen: Manche Eltern können ihre eigentliche Tätigkeit nicht ausüben, obwohl Fachkräfte dringend gesucht werden. Stattdessen werden teilweise Jobs angenommen, die besser mit den Betreuungszeiten vereinbar sind, oft schlechter bezahlt und nicht entsprechend der eigenen Qualifikation.


Im Jugendhilfeausschuss wurde deshalb auch über Öffnungszeiten gesprochen. Nach Angaben der Verwaltung habe eine Nachfrage aktuell keinen zusätzlichen Bedarf ergeben. Gleichzeitig wurde in der Diskussion ausdrücklich darauf hingewiesen, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können und vor welchen organisatorischen Herausforderungen Familien im Landkreis stehen. Während die Zahl der Kinder sinkt, steigen gleichzeitig die Anforderungen an Betreuungszeiten, Fachkräfte und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Dass das Thema viele Familien beschäftigt, zeigen auch aktuelle bundesweite Studien. Nach einer Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung waren zuletzt 54 Prozent der erwerbstätigen Eltern von verkürzten Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen betroffen. Fast ein Drittel der Betroffenen reduzierte deshalb die eigene Arbeitszeit, um Betreuungslücken zu schließen.


Der Kita-Bedarfsplan ist weit mehr als ein Verwaltungsdokument. Er beschreibt, wie sich unsere Region verändert und welche Entscheidungen in den kommenden Jahren notwendig werden könnten. Denn hinter jeder Zahl stehen Familien, Kinder, Fachkräfte und Orte, die für viele Menschen weit mehr sind als nur Betreuungseinrichtungen.


Wichtig: Der Jugendhilfeausschuss tagt auch öffentlich. Bürgerinnen und Bürger können Sitzungen besuchen und sich natürlich auch an Kommunalpolitiker wenden oder die Einwohnerfragestunde im Kreistag nutzen.


Denn Kommunalpolitik entscheidet oft über Dinge, die unseren Alltag direkt betreffen: Betreuungszeiten, Schulwege, Treffpunkte, Freizeitangebote oder die Frage, ob junge Familien gern hier leben.


Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur zuzuschauen, sondern sich einzubringen.


Im Kreistags-Informationssystem für Bürger können alle Informationen abgerufen werden:



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© Susann Seifert, Farbküche / Illustrationen: Maren Amini

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