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Vier Parkplätze weniger und plötzlich diskutiert Altenburg über die Zukunft der Innenstadt

von Susann Seifert


Eigentlich geht es nur um vier Parkplätze am Topfmarkt.

Und gleichzeitig irgendwie um viel mehr.


Wer sich durch die Kommentare unter den Berichten zum Grünen Topfmarkt liest, merkt schnell: Hier diskutieren Menschen nicht einfach nur über ein paar Stellflächen. Sondern darüber, wie die Zukunft der Innenstadt aussehen soll.


„(...) ein Grund mehr, dann nicht mehr in Altenburg zu shoppen (...)“„Endlich passiert mal etwas.“„Nicht jeder kann so weit laufen.“„Das Innenstadtsterben geht weiter.“ „(...) Anstatt sich zu freuen, dass man mal in der Stadt im Grünen sitzen kann. (…)“ „(…) Man wünscht sich den Leerstand in der Innenstadt zu beseitigen, ohne Parkmöglichkeiten für die derzeitigen und zukünftigen Anwohner wird das leider nix.“

Eine Debatte über mehr als Parkplätze


Interessant ist doch: Fast alle wünschen sich eigentlich dasselbe. Eine lebendige Innenstadt mit Geschäften, Wohnungen, Begegnungen und Menschen auf den Straßen. Nur die Wege dorthin werden sehr unterschiedlich gesehen.


Die einen sagen: Wenn Parkplätze verschwinden, bleiben irgendwann auch die Kunden weg. Dahinter steckt oft nicht nur Ablehnung, sondern echte Sorge. Um ältere Menschen. Um kurze Wege. Um Händler, die ohnehin schon kämpfen. Viele erleben seit Jahren, dass Geschäfte schließen und immer weniger Menschen in die Innenstadt kommen.


Manche verbinden die Diskussion auch mit dem Wohnen in der Innenstadt. Denn leerstehende Wohnungen und Häuser werden nur dann wieder attraktiv, wenn Menschen dort ihren Alltag gut organisieren können. Dazu gehören für viele neben Einkaufsmöglichkeiten und einer lebendigen Umgebung auch praktische Fragen wie Erreichbarkeit und wohnortnahe Parkmöglichkeiten.


Andere wiederum fragen, warum Innenstadt fast nur noch aus Verkehr und Pflaster bestehen soll. Wer im Sommer über den Topfmarkt läuft, kennt das wahrscheinlich selbst: viel Stein, wenig Schatten, kaum jemand bleibt länger dort sitzen.


Sie wünschen sich Orte, an denen Menschen nicht nur vorbeikommen, sondern auch bleiben. Orte für Begegnung, für eine kurze Pause nach dem Einkauf oder einfach für mehr Aufenthaltsqualität im Alltag. Dahinter steht die Hoffnung, dass eine lebendige Innenstadt nicht nur von Erreichbarkeit lebt, sondern auch davon, dass Menschen sich dort gerne aufhalten.


Was die Initiatoren ausprobieren wollen


Genau das wollen die Initiatoren des Grünen Topfmarkts für ein paar Monate ausprobieren.

Die Idee dahinter ist ziemlich einfach: Was passiert, wenn dort zeitweise nicht nur Autos stehen? Sondern Bäume, Sitzgelegenheiten und Orte, an denen Menschen vielleicht einfach mal kurz verweilen.


Mit einem Eis in der Hand. Nach dem Einkauf. Oder einfach, weil es dort angenehm ist.


Visualisierung: Michael Heim, Institut für Umbaukultur (IFUK)
Visualisierung: Michael Heim, Institut für Umbaukultur (IFUK)

Den Beteiligten geht es dabei nicht in erster Linie darum, Parkplätze abzuschaffen. Sie wollen herausfinden, ob eine Innenstadt zusätzlich auch ein Ort zum Verweilen, Begegnen und Aufhalten sein kann. Ob Menschen länger bleiben. Ob neue Gespräche entstehen. Ob mehr Aufenthaltsqualität vielleicht sogar dazu beiträgt, dass die Innenstadt attraktiver wird.


Hinter der Idee steht die Frage, wie öffentliche Räume künftig genutzt werden können und was Menschen brauchen, damit sie sich gern in der Innenstadt aufhalten. Die Initiatoren hoffen, dass dadurch neue Erfahrungen entstehen und die Diskussion über die Zukunft der Innenstadt nicht nur auf Annahmen, sondern auf tatsächlichen Beobachtungen basiert.


Die Beteiligten sprechen dabei von einem „Reallabor“. Klingt erstmal akademisch. Gemeint ist aber im Grunde nur: nicht alles ewig theoretisch diskutieren, sondern Dinge ausprobieren und gemeinsam schauen, was funktioniert.


Oder eben auch nicht funktioniert.


Denn auch die Initiatoren behaupten nicht, bereits alle Antworten zu kennen. Sie wollen Erfahrungen sammeln, zuhören und lernen. Und anschließend gemeinsam darüber sprechen, welche Ideen funktionieren, welche nicht und was das für die Zukunft der Innenstadt bedeuten könnte.


Wie wollen wir künftig Stadt gestalten?


Vielleicht erklärt genau das auch, warum die Diskussion gerade so emotional geführt wird. Weil öffentliche Räume eben nie nur öffentliche Räume sind.


Sie sind Alltag. Gewohnheit. Erinnerung. Für manche Sicherheit. Für andere die Hoffnung, dass wieder mehr Leben in die Innenstadt kommt.


Während die einen vor allem Parkplatzverlust sehen, sehen andere die Chance, Stadt einmal anders zu denken. Nicht endgültig. Nicht perfekt. Sondern probeweise.

Deshalb muss man die Idee vielleicht gar nicht sofort gut oder schlecht finden.


Vielleicht lohnt es sich zunächst zu verstehen, worüber hier eigentlich gestritten wird.

Denn am Ende geht es nicht nur um vier Parkplätze.


Es geht um die Frage, wie wir künftig miteinander Stadt gestalten wollen. Wie wir Erreichbarkeit, Wohnen, Handel, Aufenthaltsqualität und Begegnung zusammendenken. Und wie eine Innenstadt aussehen kann, die von möglichst vielen Menschen gern genutzt wird.


Ab dem 20. Juni soll der Grüne Topfmarkt für die Sommermonate erlebbar werden. Die beteiligten Akteure freuen sich auf Nutzung, Diskussion und Mitgestaltung. Sie laden die Menschen ausdrücklich dazu ein, den Ort auszuprobieren, ihre Erfahrungen zu teilen und ihre Perspektiven einzubringen.


Denn die Zukunft der Innenstadt entscheidet sich nicht allein in Konzepten, Sitzungen oder Kommentaren. Sie entsteht auch dort, wo Menschen Orte nutzen, Erfahrungen machen und miteinander ins Gespräch kommen.


Günther wird das weiter begleiten.


Nicht nur die Diskussion darüber. Sondern auch die Frage, was tatsächlich passiert, wenn aus vier Parkplätzen für einen Sommer ein Ort wird, an dem Menschen sitzen, reden, diskutieren oder einfach kurz im Schatten bleiben.


Arbeitstitel: Ein Sommer auf dem Grünen Topfmarkt

 
 
 

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© Susann Seifert, Farbküche / Illustrationen: Maren Amini

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