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Mehr als eine Schüssel Kartoffelsalat

Feierabend im Altenburger Hofsalon


Eine Schüssel Kartoffelsalat. Daneben ein Nudelsalat, selbst gebackenes Brot und ein Kuchen, der noch warm ist. Nach und nach füllt sich der Tisch. Jeder bringt etwas mit. Nicht, weil es vorgeschrieben wäre, sondern weil es sich irgendwie richtig anfühlt.


Es ist der dritte Donnerstag im Monat. Feierabend im Altenburger Hofsalon.

Wer zum ersten Mal kommt, könnte denken, hier findet einfach ein gemeinsames Abendessen statt. Tatsächlich passiert an diesem Abend viel mehr. Menschen, die sich vorher nicht kannten, kommen miteinander ins Gespräch. Alte Bekannte treffen sich wieder. Neue Ideen entstehen zwischen Brotkorb und Salatschüssel. Es wird gelacht, diskutiert, manchmal auch gestritten. Aber vor allem zugehört.



Der Altenburger Hofsalon ist längst mehr als ein Ort für Veranstaltungen. Hinter der Brüderkirche ist ein Treffpunkt entstanden, an dem Kultur, Nachbarschaft und gesellschaftliche Themen zusammenfinden. Hier wird gelesen, musiziert, Sport gemacht, diskutiert und gemeinsam gegessen. Vor allem aber entsteht etwas, das sich nur schwer planen lässt: Vertrauen.



Seit Ende vergangenen Jahres ist der Hofsalon einer der Kulturknotenpunkte des Projekts „Stadt.Land.Kult(o)ur – demokraTISCH unterwegs“. Hinter diesem etwas sperrigen Namen verbirgt sich eine einfache Idee. Kunst und Kultur sollen nicht nur schöne Abende ermöglichen. Sie sollen Menschen zusammenbringen, damit sie ihre Region gemeinsam gestalten können.


Ein Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt, wie das ganz praktisch aussieht. Da entstehen aus einem Workshop plötzlich neue Angebote, die Ehrenamtliche selbst organisieren. Schülerinnen und Schüler entwickeln Ideen für die Zukunft des Ortes. Ein Lesekreis verlässt den geschützten Kreis und lädt erstmals öffentlich ein. Aus einem Bewegungsangebot wird ein fester Treffpunkt. Das Entscheidende ist dabei nicht die einzelne Veranstaltung. Entscheidend ist, dass Menschen vom Zuschauen ins Mitmachen kommen.


Beim vergangenen Feierabend wurde dieser Gedanke besonders deutlich. Das gemeinsame Buffet war aufgebaut wie immer. Doch an diesem Abend ging es um ein Thema, über das viele lieber schweigen: Sucht.



Gemeinsam mit Team des Altenburger Trialogs, Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften fand im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Alkohol ein Trialog statt. Nicht als Podiumsdiskussion, sondern mitten zwischen den Menschen. Es ging um Erfahrungen, um Fragen und darum, einander zuzuhören.


Dabei wurde deutlich, dass Teilhabe oft bei kleinen Dingen beginnt. Bei der Selbstverständlichkeit, alkoholfreie Getränke anzubieten. Bei der Frage, warum sich Menschen häufig erklären müssen, wenn sie keinen Alkohol trinken. Und bei dem Blick auf Angehörige, die eine Suchterkrankung oft über Jahre mittragen, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.


Solche Gespräche entstehen nicht zufällig. Sie brauchen Orte, an denen Menschen sich sicher fühlen. Orte, an denen unterschiedliche Erfahrungen nebeneinander stehen dürfen und niemand Angst haben muss, etwas Falsches zu sagen.


Genau darum geht es bei „Stadt.Land.Kult(o)ur – demokraTISCH unterwegs“. Das Projekt investiert nicht nur in Kultur. Es investiert in Beziehungen. Es schafft Räume, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Vertrauen entwickeln und erleben können, dass ihre Ideen zählen. Kultur ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist der Anlass, gemeinsam über die Fragen zu sprechen, die das Zusammenleben betreffen.


Vielleicht liegt darin der eigentliche Wert solcher Orte. Nicht jede Veranstaltung verändert die Welt. Aber vielleicht verändert sie den Blick auf den Menschen, der am Tisch gegenüber sitzt. Vielleicht entsteht daraus eine neue Idee, eine Initiative oder einfach die Erkenntnis, dass man mit seinen Gedanken nicht allein ist.


Und manchmal beginnt all das mit einer Schüssel Kartoffelsalat.


Der Feierabend im Altenburger Hofsalon findet jeden dritten Donnerstag im Monat statt. Wer neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, gern mit einer Kleinigkeit für das gemeinsame Buffet, vor allem aber mit Lust auf Begegnung und gute Gespräche.

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